Das "Psalmenkonzert" - jetzt auf CD erhältlich

Uraufführung des "Psalmenkonzertes" für Chor und Orgel am 4. November 2001

 

PSALMENKONZERT

I.
II.
III.
  Herr, lehre doch mich (Psalm 39)
  Aus der Tiefe rufe ich zu dir (Ps. 130)
  Lobe den Herrn, meine Seele (Ps. 103)

CANTIAMO - Junge Kantorei Merseburg
Orgel: Michael Schönheit
Leitung: Stefan Mücksch
Psalmenkonzert
- Versuch einer Werkseinführung -

Bereits Ende des vergangenen Jahres kam von Herrn Mücksch die Frage, ob ich nicht Lust hätte, ein Werk für Chor und Orgel zu schreiben, das dann zum nächsten Kirchenjahresende seine Uraufführung durch Cantiamo erleben würde. Natürlich ließ ich eine solche Chance nicht ungenutzt.

Es stellte sich nun zunächst die Frage nach der Gesamtanlage des Werks und nach dem ihm zugrunde liegenden Text. Ich entschied mich schließlich für die Vertonung verschiedener Psalmen, und zwar dergestalt, daß je ein Psalm einen in sich geschlossenen Abschnitt innerhalb des Stückes einnimmt. Konkret fiel meine Wahl auf den 39., den 103. und den 130. Psalm, drei Texte also, die sehr unterschiedliche Grundstimmungen haben und die durch ihre sprachliche Färbung auch musikalisch eine Steigerung und Entwicklung von einem Stück zum nächsten ermöglichen und sogar bedingen:
Während der 39. Psalm insgesamt sehr düster gefärbt ist, die Nichtigkeit der Menschen und des menschlichen Tuns vor Gott beschreibend und gleichzeitig die Hoffnung, nach dem Tode näher bei Gott zu sein, audrückend, rückt der darauffolgende 130. Psalm von jener tiefen Verzweiflung ab. Ihm ist ein eher meditativer Duktus innewohnend, eine tiefe Ruhe und eine große innere Weite, mit welcher dieser Text auch musikalisch das Zentrum und den Ruhepol des Werkes bildet. Über das Bitten und Flehen hinaus läßt er zum Ende hin immer stärker einen tiefen Frieden erkennen: "Denn bei dem Herrn ist die Gnade, und viel Erlösung ist bei ihm, und er wird Israel erlösen aus allen seinen Sünden."
Mit jubelnden Klängen schließt sich Psalm 103 an, immer wieder den Vers "Lobe den Herrn, meine Seele" wiederholend, wobei sich die Energie, die in diesem Text liegt, musikalisch in einem sogenannten Bulgarischen Rhythmus - d.h. einer ungerade zusammengesetzten Taktart - und polytonaler Harmonik entlädt. Das Werk wird beschlossen durch ein letztmaliges Wiederaufgreifen des besagten Verses, jedoch leise und verinnerlicht, fast wie ein Nachhall: "Lobe den Herrn meine Seele, und was in mir ist, Seinen heiligen Namen."

Insgesamt erwies sich bei der Vertonung der Psalmen deren Komplexität als eine gewisse Hürde. Auf engem Raum stehen sich Abschnitte mit oft sehr unterschiedlichem, ja gegensätzlichem Inhalt gegenüber. Aus diesem Grunde habe ich mich dafür entschieden, die einzelnen Stücke nicht durchzukomponieren, sondern diese selbst nochmals in kleinere musikalisch-textliche Sinneseinheiten zu untergliedern, so daß auch dem Hörer die starke Differenziertheit bewußt wird.
Auf diese Weise bestimmt also der Text, was musikalisch abläuft: die Psalmen stehen im Vordergrund; Rhythmus, Harmonik und Melodie passen sich dem an, was ausgesagt wird und dienen vor allem der eindringlichen Wiedergabe der Psalmworte, und so möchte ich das Werk verstanden wissen: als kirchenmusikalische Komposition für das Kirchenjahresende und nicht als bloßes Konzertstück.

Christian Quinque (28. Okt. 2001)

 
_____________________________________________
 
Diese CD ist leider nicht mehr erhältlich.
 
zurück